Interview – Thomas Heinrich

von Thomas Heinrich

Herr Heinrich, das Thema „Digitalisierung“ ist zurzeit in aller Munde. Was bedeutet Digitalisierung für Sie?

Digitalisierung war für mich als Digital Native früher immer erst dann ein Thema, wenn sie gefehlt hat; wie wichtig Digitalisierung aber tatsächlich ist und wie wenig präsent das Thema in vielen Branchen noch ist, stellt man erst dann fest, wenn man sich beruflich intensiv damit beschäftigt.

Ich sehe mich selbst in meiner Funktion als Vertriebsleiter von Digitalprodukten oftmals in der Rolle eines digitalen Vermittlers, der die Brücke zwischen analogem Jetzt und den Mehrwerten digitaler Produkte schlagen muss: Das Bewusstsein, dass Digitalisierung mehr ist als ein Buzzword und ein Imperativ des Informationszeitalters, fehlt manchmal – statt die echten Mehrwerte zu sehen, werden digitale Produkte oftmals als Gimmick betrachtet; das fängt mancherorts beim CRM-System an und endet vielerorts bei Themen wie IOT, Blockchain oder Immersive Medien (Virtual und Augmented Reality).

Die Digitalisierung bringt auch viele neue Möglichkeiten mit sich. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Virtuelle Realität oder Virtual Reality. Was kann man unter diesem Thema ganz allgemein verstehen?

Virtual Reality ist eine Technologie aus der Gattung immersive Medien. Unter dem Begriff immersive Medien werden Technologien zusammengefasst, die die reale Welt um virtuelle (d. h. computergenerierte) Komponenten erweitern oder die reale Welt durch eine computergenerierte Welt ersetzen – letzteres wird als Virtual Reality bezeichnet. Einfach gesagt setzt der Nutzer eine spezielle Datenbrille auf und taucht damit in ein computergeneriertes Umfeld ein, das in seiner subjektiven Wahrnehmung die echte Welt ersetzt. Das Gefühl des Eintauchens in dieses computergenerierte Umfeld wird fachsprachlich als Immersion bezeichnet; umso mehr Sinne (z. B. Sehen, Hören, Riechen, Fühlen) von der computergenerierten Welt angesprochen werden, umso besser ist die Immersion.

Viele verbinden mit Virtual Reality wahrscheinlich zunächst einmal eine Technologie, die hauptsächlich im Gaming-Bereich zum Einsatz kommt. Doch Virtual Reality bietet auch für Unternehmen zahlreiche neue Möglichkeiten. Wo kann diese Technologie in einem Unternehmen sinnvoll eingesetzt werden?

Virtual Reality ist nur auf den ersten Blick eine Technologie für den Gaming Bereich – in Wahrheit stellen viele Computerspielstudios die Arbeit an Virtual Reality Spielen mittlerweile wieder ein, weil VR (Virtual Reality) im Endkundenmarkt so geringe Absätze erzielt, dass sich die Entwicklung aufwändiger Inhalte nicht lohnt. Im Gegensatz dazu entwickelt sich VR in der professionellen Nutzung: Dieser Markt beginnt gerade erst sich zu entfalten. Bei einer steigenden Anzahl von Firmen wächst das Bewusstsein, dass der Einsatz immersiver Medien für geschäftliche Zwecke greifbare Mehrwerte bietet; besonders internationale Konzerne (z. B. aus der Automobilindustrie oder aus der Möbelbranche) nehmen in dieser Hinsicht eine Vorreiterstellung ein – Mittelständler und kleine Unternehmen in Deutschland agieren leider noch eher zögerlich, obwohl gerade diese die Möglichkeit hätten, durch immersive Medien strategische Vorteile zu erlangen. Wir haben stand heute vier Felder identifiziert, in denen wir unseren Kunden zum Einsatz immersiver Medien raten: Sales & Marketing, Training & Ausbildung, Industrie 4.0 und Entertainment. Ein gutes Beispiel für den mehrwertstiftenden Einsatz immersiver Medien in Unternehmen ist ein Hersteller großer Industriemaschinen, der auf Messen unabhängig von logistischen Herausforderungen und anderen Limitationen (z. B. Platzangebot) eine große Anzahl seiner Produkte präsentieren möchte. Er integriert eine Großmaschine in seinen Messeauftritt, während er weitere Maschinen virtuell und voll interaktiv seinen potentiellen Neukunden vorführt; Kunden, die Anhand einer speziellen Nutzerinteraktion in der VR Interesse an einem Kauf anmelden, werden im Nachgang vom Vertrieb des Herstellers kontaktiert und ggf. zu einem Besichtigungstermin eingeladen.

Wie kann die Implementierung einer solchen Technologie in die verschiedenen Unternehmensbereiche und -abläufe gelingen?

Das ist pauschal schwierig zu beantworten, da die Implementierung von immersiven Medien in Unternehmen stets andere Herausforderungen kennt – gerade große Projekte, die viele verschiedene Stellen involvieren, können zu einer Aufgabe für das betriebliche Change Management werden. Grundsätzlich ist es für uns als beratungslastigen Lösungsanbieter aber wichtig, die individuellen Voraussetzungen unserer Kunden zu verstehen, noch bevor wir mit der Konzipierung einer Lösung beginnen; so können wir unsererseits gewährleisten, dass die spätere Implementierung reibungslos verläuft.

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Thomas Heinrich

Thomas Heinrich ist CEO und Gründer der Firma Virtuis GmbH. Außerdem arbeitet er als Vertriebsleiter bei der Firma nous GmbH. Zuvor war er mehrere Jahre als Vertriebsentwickler für Konzernkunden und als Vertriebsberater für Start-Ups und KMUs tätig. Der studierte Kommunikationswissenschaftler ist Experte für Immersive Medien sowie Virtual & Augmented Reality. Mit seinem Public VR Showroom werden diese Themen erlebbar. Auch in seinen Vorträgen, Workshops und Beiträgen für verschiedene Fachzeitschriften stellt Thomas Heinrich immer wieder den Transfer in die Praxis her.

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